Re: Epipactis peitzii

Geschrieben von Jürgen Reinhardt am 02. August 2017 18:24:38:

Als Antwort auf: Epipactis peitzii geschrieben von Bernd Tenschert am 23. Juli 2017 17:44:57:

>Nachdem dieses Forum in letzter Zeit etwas still von sich "rumdümpelt" habe ich heute ein Thema, dass uns alle wachrütteln sollte.
>Ich war dieses Wochenende im Taunus, um ein paar Fotos der Epipactis peitzii zu machen. Mein letzter Besuch dürfte wohl etwa 15 Jahre zurückliegen und ich hatte eine große Population in einem gepflegten Buchenwald im Gedächtnis. Wie sich der Standort heute präsentiert, hat eher etwas Erschreckendes. Überall liegen geschlagene Buchen herum, teilweise auch schon längere Zeit; zudem Äste und Gestrüpp, so dass es schwer fällt, durch den Wald zu laufen. Es ist eher eine schweißtreibende Kletterei!
>Überdies war nicht eine einzige Peitziipflanze zu finden! Liegt dies nun an diesem schlechten Jahr oder dürfen wir uns von einer der wenigen endemischen Orchideen Deutschlands geistig verabschieden?
>Meine Frage: wer hat wann noch Pflanzen gesehen in den letzten Jahren? Und: es muss dort unbedingt etwas geschehen - weitere Buchen sind schon markiert und sollen sicherlich auch noch geschlagen werden. Dann ist es sowieso fraglich, ob man diese Rarität noch retten könnte.
>Herzliche Grüße,
>Bernd

Hallo Herr Tenschert,

wir haben in Nordthüringen (Ohmgebirge, Dün, Hainleite) die gleichen Feststellungen und Beobachtungen machen müssen. Thüringen Forst , aber auch Privatwaldbesitzer, betreiben einen ökölogischen Waldumbau, das heißt, die Laubwälder werden in regelmäßigen Abständen ausgelichtet und nur sogenannte Zukunftsbäume bleiben erhalten, auch in NSG. Man wünscht einen zukünftigen Wald mit allen Altersklassen. Die Folgen sind ein hoher Lichteinfall und damit völlig veränderte ökologische Faktoren. Durch diese Bewirtschaftung haben wir nicht wenige Standorte von E. neglecta, E. leptochila, E.muelleri und E. microphylla bereits verloren, u.a. auch von Orchis mascula und Cephalantera-Arten. Die Idee, aufwachsende Buchendickungen in Teilen zu beseitigen, schlägt fehl, weil dadurch Hochstaudenfluren entstehen. Diese Standorte sind vorläufig für halbschattenliebende Arten verloren. Diese Erfahrung haben wir machen müssen. So wird es auch den Standortvon E. peitzii im Taunus ergehen. Die Art ist nur auf dem zweiten Wuchsplatz zu erhalten, wenn dieser vom Holzeinschlag völlig verschont bleibt.
Interessant wäre zu beobachten, wie die E. peitzii-Pflanzen auf die veränderten Bedingungen in Ihrer Morphologie reagieren, falls sie noch erscheinen.

Viele Grüße
Jürg Reinhardt



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