Re: Wespen an Stendelwurz im Reinhardswald/Hessen

Geschrieben von Uwe Grabner am 05. August 2016 20:24:55:

Als Antwort auf: Wespen an Stendelwurz im Reinhardswald/Hessen geschrieben von Rosemarie Paetsch am 04. August 2016 17:21:22:

Hallo Frau Paetsch,

Um es vorweg zu nehmen: die Wespen tun nichts „Unrechtes“!
Ihre Beobachtungen zeigen die erfolgreiche Anlockung von Wespen über den Duft durch die Pflanze auf.
Ich nehme einmal an, dass Sie die Beobachtung an einer Epipactis helleborine, oder purpurata gemacht haben.
Nach den Untersuchungen eines deutsch-österreichischem Forscherteams an der Universität Ulm und Wien täuscht Epipactis helleborine den Wespen über ihre Pheromone einen Raupenbefall vor.
Offenbar ist das Duftbukett wohl dem eines vom Kohlweißling befallen Kohls sehr ähnlich.
Die Wespen finden dann zwar keine Raupen vor, werden aber durch den Nektar in der Hinterlippe der Epipactis „entschädigt“. Nach einigen eigenen Beobachtungen scheinen die Wespen dem Nektar sehr zugetan zu sein. Ob hierbei Alkohol eine Rolle spielt, vermag ich nicht zu sagen, aber die Wespen können es kaum lassen und machen nach einiger Zeit einen etwas unkoordinierten und „torkeligen“ Eindruck.
Bei ihrer Suche nach dem Nektar in den Blüten werden ihnen dann die Pollinien (meist am Kopf) durch das klebrige Viscidium des Säulchens angeklebt.
Beim Besuch der nächsten Blüte / Pflanze wird dann während des Nektar-Naschens aus der schüsselförmigen Hinterlippe Pollenmasse auf die genau darüber platzierte Narbe verbracht.
Das heißt, der Besuch von Wespen ist bei Epipactis helleborine und purpurata überlebenswichtig.
Ausführlich können Sie die Ergebnisse des Forscherteams hier nachlesen:
http://www.cell.com/current-biology/fulltext/S0960-9822(08)00526-5

Schöne Grüße

Uwe Grabner



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