Erste Eindrücke vom neuen Delforge

Geschrieben von Manfred Blondke am 23. April 2016 13:26:14:

Liebe Orchideenfreunde,

soeben habe ich den neuen Delforge: Orchidées d'Europe, d'Afrique et du Proche-Orient, der vorgestern in der 4. Auflage erschienen ist, zum ersten Mal durchgeblättert. Ich habe ihn bei einem Online-Händler in Deutschland für 28,44€ gekauft. Eine Direktbestellung in Frankreich wäre inkl. Porto um mehr als 15€ teurer gewesen.
Hier meine ersten Eindrücke:

Das Buch ist wie gewohnt als Hardcover erschienen; die Höhe hat etwas zugenommen, allerdings ist die Seitenzahl von 640 auf 544 reduziert worden.

Es sind viele neue Arten, die man bisher mühsam aus ganz verschiedenen Quellen zusammengesucht hat, jetzt vereint mit recht detaillierten Beschreibungen. Daneben habe ich auch einiges für mich völlig Neue entdeckt.

Gleichzeitig sind auch Arten der 3. Auflage verschwunden. So wurde z.B. Ophrys gazella zu Ophrys subfusca gestellt.

Delforge behält seine Gewohnheit bei, viele Taxa als Arten und einige als Varietäten aufzuführen. Unterarten kommen weiterhin nicht vor.

Um trotz der deutlich gewachsenen Zahl der Taxa Platz zu sparen, wurde auf einiges verzichtet:

Mit Ausnahme der Gattung Ophrys gibt es nur noch einen (illustrierten) Gattungsschlüssel. Bei Ophrys existiert darüber hinaus ein Schlüssel, der zu den Delforgeschen Gruppen führt. Schlüssel der Arten fehlen jedoch durchgehend. Meines Erachtens waren diese zwar häufiger nicht zielführend, trotzdem ist es ein gewisser Verlust. Man muss jetzt also noch etwas mehr als früher die Artbeschreibungen Satz für Satz vergleichen. Hier hat der Autor vielleicht auch vor der Fülle des Materials kapituliert.

Zum Teil werden auf einer einzigen Buchseite 2 Arten beschrieben, zu denen es dann jeweils nur noch ein Bild gibt. Außerdem fielen begleitende Skizzen weg. Ebenfalls fehlen jetzt die Nennung des Typs und der Synonyma. Gerade letzteres war angesichts der vielen Umbenennungen in der Vergangenheit recht hilfreich. Die Diskussion diverser Gruppen habe ich ebenfalls nicht mehr gesehen. Andererseits sind neu entdeckte Bestäuber hinzugekommen.

Zusätzlich seien noch einige punktuelle Fakten aufgeführt, die mir gerade aufgefallen sind:

Wer in den vergangenen Jahren seine diversen Orchis-Funde zu Anacamptis umgestellt hat, darf sich jetzt neu Gedanken machen. Delforge reduziert die Gattung Anacamptis auf den Komlex A. pyramidalis. Daneben nennt er die Gattungen Paludorchis (mit P. palustris, P. laxiflora ...), Anteriorchis (mit A. coriophora, A. fragrans und A. sancta), Herorchis (mit H. morio, H. picta, H. syriaca, H. champagneuxii, H. longicornu, H. boryi und H. israelitica) sowie Vermeulenia (mit dem V. papilionacea-Komplex, V. cyrenaica und V. collina).

Die Gattungen Gymnadenia und Nigritella bleiben getrennt.

Ophrys herae wird nicht als Endemit von Samos angesehen, sondern mit einem Verbreitungsgebiet vom Süden Albaniens bis zum mediterranen Anatolien und zu Kreta im Süden angegeben. Dahingegen wird Ophrys grammica auf Nordgriechenland und Albanien beschränkt. Für Kreta wird sie nicht genannt.

Ophrys tenthredinifera s. str. und Ophrys villosa werden als 2 unterschiedliche Arten aufgeführt. Für sie werden 2 verschiedene Bestäuber aus der Gattung Eucera angegeben. Angesichts der weit auseinanderliegenden Verbreitungsgebiete erscheint mir die Aufteilung plausibel.

In der Gruppe Ophrys omegaifera wird auch die schon vor einiger Zeit vom Autor neu beschriebene Ophrys polycratis aufgeführt. Für sie werden als Verbreitungsgebiet Samos, Chios, Skyros und die zentralen Kykladen angegeben. Bei einer ersten Betrachtung der Beschreibung frage ich mich jedoch, ob man nicht die relativ spät blühenden "Ophrys omegaifera" von Kreta und Rhodos, die wegen ihrer dunkelbraunen und sehr langen Lippenbehaarung an Hybriden mit O. basilissa oder O. fleischmannii denken lassen, nicht auch hierher stellen muss.

Damit soll es mit dem ersten, noch ungeordneten Eindruck genug sein.

Mit vielen Grüßen

Manfred Blondke



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