Re: Bestäuber-Spezifität und Hennecke & Munzinger

Geschrieben von Helmut Presser am 19. Oktober 2015 17:56:12:

Als Antwort auf: Re: Bestäuber-Spezifität und Hennecke & Munzinger geschrieben von Berthold am 17. Oktober 2015 10:26:04:

>>>>Aus dieser Erkenntnis kann man lediglich schließen wie unglaublich rafiniert die Natur sein kann, nicht "dass die Zuordnung von Bestäubern zu Ophrys-Arten doch nicht so streng spezifisch ist".
>>>>Gruß
>>>>Sebastian
>>>
>>>Nein, wenn die Zuordnung streng spezifisch wäre, müssten sich die Bestäuber streng an den Cocktailmischung der Art halten und nicht Abweichungen bevorzugen, denn die Abweichungen sind nicht mehr artspezifisch sondern eben Abweichungen.
>>>Das besagt doch schon die Logik.
>>Du lässt dich da zu sehr vom dem vergleichsweise schlechten menschlichen Geruchssinn in deiner Schlussfolgerung beeinflussen. Nur weil der Oprysduft etwas vom Standardduft einer Bienenart abweicht, heißt dass noch nicht, dass die Isolationsbarriere zur anderen Art durchbrochen ist. Es ist zwar eine Abweichung, aber sozusagen noch im Bereich der Variabilität. Aus den bisherigen Erkenntnissen kann man vermuten, dass der Duft zwar abweicht und dass auch messbar ist, die Lücke zum "nächstgelegen" Duftcocktail einer anderen Bienenart aber noch groß genug ist.>
>
>Gibt es im Paulus-System Unterarten, Variationen und Formen? Wenn ja, von wem werden diese bestäubt, von Unterarten der Bestäuber? Wenn nein sind alle Unterarten, Variationen und Formen neue Arten?

Hallo Berthold,

da ich mich näher damit beschäftigt habe, antworte ich hier mal:
Ja, es gibt bei Paulus Unterarten.
Ophrys speculum subsp. orientalis wird von einer Unterart der bekannten westmediterranen Dolchwespe bestäubt. Die ist dunkler und demzufolge ist auch die östliche Unterart der Spiegelragwurz dunkler. Einen morphologischen Unterschied sollte man ja auch bei Unterarten mindestens finden.
Eine weitere Möglichkeit ist, dass sich unterscheidbare Sippen einer Art (mit ein- und demselben Bestäuber) geografisch ausschließen, in Kontaktzonen aber vermischen und ineinander übergehen (Bsp: O.exaltata subsp. cephalonica, subsp. archipelagi, subsp. arachnitiformis...). Hierbei besteht natürlich eine leichte Unsicherheit, schließlich könnten verschiedene Arten denselben Bestäuber erschlossen haben. Sie müssten dann weiterhin getrennte Arten bleiben. Ist für mich insoweit völlig stimmig und mit der zoologischen Taxonomie vergleichbar. Paulus betont, dass es eine Barriere geben muss, damit sich Unterarten (gehören ja zu derselben Art) nicht vermischen. M.E. könnte diese Barriere auch eine zeitliche sein, wie man dies oft bei anderen Orchideen handhabt (Orchis ustulata ssp. aestivalis und ssp. ustulata) oder eine geologische (kalkfreier und karbonatischer Boden) oder auch durch unterschiedliche Biotopansprüche bedingt (Anacamptis coriophora subsp. coriophora und subsp. fragrans).
Viele Unterarten gibt es bei Paulus allerdings nicht. Schließlich müssten sie sich dann bei Begegnung wild vermischen, sie gehören ja einer gemeinsamen Art an. Dies tun aber Ophrys gewöhnlich nicht, und wenn, dann vermute ich, dass Hybridenfotofreunde mit wenig Skrupeln diese Stelle gelegentlich besucht und selbst Hand angelegt haben.

Schöne Grüße,
Helmut.


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