Re: Bestäuber-Spezifität und Hennecke & Munzinger

Geschrieben von Werner Seiche am 27. September 2015 16:02:58:

Als Antwort auf: Bestäuber-Spezifität und Hennecke & Munzinger geschrieben von Herbert Weyland am 20. September 2015 15:29:02:

Ehe uns wieder ein Expertenstreit zur Taxonomie bevorsteht, möchte ich Verschiedenes zu bedenken geben. Die Taxonomie hat m.E. zwei Aufgaben a) soll sie eine Übersicht über die Vielfalt der Schöpfung mit all ihren phänotypischen Ausprägungen liefern – dazu dient das Gerüst der taxonomischen Hierarchie und die Einsortierung in deren „Kästchen“ und b) per Konvention eine Sprachregelung treffen, wie man sich dazu unmißverständlich zwischen den Interessierten, seien es Amateure oder Habilitierte, austauschen kann. Beide Aufgaben sind anthropozentrisch und kommen nicht aus dem naturwissenschaftlichen Bereich wie ihre Objekte.
Streitigkeiten resultieren meistens daraus, daß die Kontrahenten die Lösung der beiden Aufgaben subjektiv suchen (triviales Beispiel: Landwirte werden Pflanzen nach nach anderen Kriterien einteilen als Botaniker).
Im aktuellen Fall sehen Hennecke & Munzinger das Ordnungsproblem unter dem Gesichtspunkt als Reiseleiter (das betonen sie sogar am Anfang ihrer Artikelserie) und hier ist der Bestäuber als Alleinstellungmerkmal einer Art völlig ungeeignet: wie sollen sie denn ihren Kunden klar machen, daß zwei ausgesprochen ähnliche Pflanzen (z.B. aus dem Fusca-Formenkreis) von unterschiedlicher Art sein sollen, man muß sich auf Treu und Glauben verlassen, wie es die meisten Paulusjünger ja tun.
Hennecke & Munzinger rechne ich hoch an, daß gerade sie als Reiseleiter eine Definition vorschlagen, die jedermann nachvollziehen kann und die Anzahl Arten erheblich reduziert; Da jedoch viele Kunden ihre Reise deshalb buchen, weil am Reiseziel eine neue Art wartet, bedeuten weniger fotografable Arten auch weniger Kunden, weil was man fotografiert besitzt getrost nachhause tagen kann;-) !
Meine Quintessenz: Eine Artdefinition, die alle zufriedenstellt gibt es nicht, Streitereien darüber sind müßig und keine Artabgrenzung ist „wissenschaftlicher“ oder „richtiger“ als eine andere, sie kann nur hinsichtlich der Gruppe, die angesprochen werden soll mehr oder weniger geeignet sein.
Und noch etwas: wie man weiß, kann eine Hypothese (z.B, die Abgrenzung der Arten) niemals verifiziert werden, sie erhält ihre Gültigkeit nur über gescheiterte Falsifizierungsversuche. Diese Versuche sind notwendig und können (und sollten) sachlich geführt werden und zwar von beiden Seiten!
Nichts für Ungut!
Werner Seiche



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