Bestäuber-Spezifität und Hennecke & Munzinger

Geschrieben von Herbert Weyland am 20. September 2015 15:26:33:

Seit einigen Jahren beschäftige ich mich intensiv mit der Bestäuber-Spezifität bei Ophrys. Mit den Ausführungen von Hennecke & Munzinger (Ber. Arbeitsk. Heim. Orchid. 2014, 2015) überhaupt nicht einverstanden. Manches wirkt leider direkt gehässig und zynisch. Was hat das in einer „wissenschaftlichen“ Publikation, worauf die beiden ja großen Wert legen und „Nichtwissenschaftler“ als Sündenböcke für die Probleme in vielen Ophrys-Artengruppen hinstellen, zu suchen? Diese Behandlung haben unsere wunderschönen Pflanzen und die Orchideenfreunde und Wissenschaftler, die sich ernsthaft mit dem Leben der Pflanzen beschäftigen, nicht verdient. Natürlich kann und muss man über alles diskutieren können. Aber wichtige biologische Grundlagen ganz zu negieren oder so zu interpretieren, dass sie gegen das biologische Artkonzept sprechen, ist nicht tragbar. Es ist selbstverständlich, dass jede andere Meinung toleriert werden muss. Aber die Art und Weise, wie die beiden das vollziehen, zwingen mich leider zu diesen klaren Worten.
Ich bin sehr betroffen, mit welcher Unverfrorenheit diese Herren vorgehen. Auch bei deren neuen Beiträgen (2015) wird in derselben Art wie bisher weiter argumentiert. Untersuchungsergebnisse, Literaturzitate, Halbwahrheiten, kaum nachvollziehbare Zahlen, Erfindungen und Spekulationen werden so verbunden, dass alles gegen die Effektifität der Bestäuber gerichtet ist.

Sogar die nicht bewiesene, zumindest sehr seltene Autogamie, wird als Beweis eingesetzt, um den „Prozentsatz“ des effektiven Bestäubers senken zu können. Bei der Autogamie werden aber nur die von den effektiven Bestäubern selektierten Erbanlagen weitergeben. Das ist doch kein Beweis dafür, dass die Autogamie bei der Fortpflanzung und Vererbung bei allen Ophrys-Arten eine größere Rolle spielt und gegen den spezifischen Bestäuber spricht. Bei vielen tausend untersuchten Ophrys-Blüten gibt es natürlich einige, bei denen die Pollinien aus den unterschiedlichsten Gründen gelockert sein können, was ich natürlich selbst einige Male gesehen und fotografiert habe (eben auch ein „oberflächlicher Beobachter“).

Der Stressfaktor bei gepflückten Pflanzen bewirkt also, dass nur bei Wahltests zu einem ganz hohen Prozentsatz immer die „richtige“ Blüte nur von einer bestimmten Bienen-Art gewählt wird – oder wie soll ich das verstehen? Das ist natürlich nicht vergleichbar mit der Situation, wenn verschiedene Ophrys-Arten auf einer Wiese nebeneinander stehen. Denn dann wird undifferenziert bestäubt!?
Meine Beobachtung: Ein Andrena-Männchen entnimmt von einer auf der Wiese blühenden Ophrys Pollinien und befruchtet eine ca. 50 m entfernt angebotene („gestresste“) Blüte derselben Art. Diese wurde aus einer 50 km entfernten Sippe schonend entnommen.

Bestäuber kommen als Indikatoren für systematische und taxonomische Überlegungen auch deshalb nicht in Frage, weil es so schwierig ist, welche zu finden (auch Zitat Hennecke). Schau, schau, bei O.bomb. sind 16 Bienen-Arten angeführt – eigenartige wissenschaftliche Beweisführung.

Zitat Hennecke (aus Vignolini 2012): „O. speculum … das UV-Bild zeigt fast die Größe eines Insekten Weibchens“. Natürlich nicht ein Weibchen von Dasyscolia ciliata, denn dann wäre das ja ein Hinweis darauf, dass die passende Größe und vielleicht sogar die Farbe eine Rolle spielt und eventuell doch über Selektion durch den effektiven Bestäuber und Anpassung entstanden ist.

Zitat: „ … während die Bestäuber-bezogenen Verhaltensforscher mehr als 250 Arttaxa kennen“. Wie viele Arten davon wurden ohne Bestäuber beschrieben, also von nicht Bestäuber-bezogenen „Verhaltensforschern“, die sich in erster Linie auf morphologische Unterschiede bezogen haben?

usw… alle Entgegnungen würden Seiten füllen.

Es gibt bei H&M zu viele widersprüchliche Behauptungen. Schade, dass die Schriftleitung, natürlich ohne zu zensurieren, zumindest bei den gröbsten Ungereimtheiten keine Bedenken anmeldet und noch dazu so viel Platz in den Berichten zur Verfügung stellt.
Herbert Weyland



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