Re: Ophrys sabulosa / forestieri auf Sizilien

Geschrieben von Hannes Paulus am 18. Juni 2015 06:06:55:

Als Antwort auf: Ophrys sabulosa / forestieri auf Sizilien geschrieben von Uwe Grabner am 29. Mai 2015 00:13:32:

Lieber Herr Grabner !
Ich stimme Helmut Presser zu. Alle ihre Bilder gehören zu forestieri. O. sabulosa ist deutlich kleinblütiger und blüht klar nach forestieri. Aber mit den Winterblühern ist das meist so eine Sache. Sie haben nämlich eine langgezogene Blühperiode mit einem Blühgipfel im Januar und Februar. Dann aber immer wieder Einzelpflanzen oder kleine Gruppen von Pflanzen, die dann bis in den April blühen. Das liegt an zwei Dingen: 1. Winterblüher stehen vor dem Problem, dass ihre Witterungsbedingungen im Dezember - Februar nicht verhersagbar sind. In einem Jahr ist es im Januar warm, im nächsten Jahr hat es Frost. Langfristig erzeugt das eine Selektion auf Blühschübe, deren Januargruppen eben dann blühen, wenn es im Januar warm ist, die Februar-März-Schübe dann, wenn es in dieser Zeit warm ist. Dann gibt es wieder Jahre, in denen es von Januar bis März kalt ist. Dann haben diese Pflanzen schlechte Karten und die im März-April sind gut dran. Die Beobachtungen hängen also immer davon ab, wie die Bedingungen in dem betreffenden Jahr sind/waren. 2. Die Unverhersagbarkeit gilt natürlich auch für den Bestäuber Andrena nigroaenea. Auch bei ihm findet man eine sehr lange Flugperiode, in der immer wieder von Dezember beginnend neue Weibchen schlüpfen und zu brüten beginnen. Denen folgten natürlich auch Männchen. Die Januarschlüpfer sind nur dann erfolgreich, wenn es im Januar warm war. Die Februar-März-Schlüpfer eben dann, wenn es in ihrer Periode warm war. In Summe erzeugte dies eine lange Flugperiode, damit die Populationen für jedes Jahr gewappnet sind, egal wie das Wetter wird, mit irgendwelchen Phänologie-Varianten über die Runde zu kommen. Ophrys ist dem sozusagen notgedrungen gefolgt. Ab März sind die Witterungsperioden schon besser verhersagbar, mit der Konsequenz, dass dann die Blühperioden dieser Ophrysarten in Summe kürzer sind. Das Ganzw wird noch dadurch verkompliziert, dass es außerdem auf die lokalen Standortbedingungen ankommt: Tiefland-Bergland, Nordhänge-Südhänge. In Meeresnähe ist es im Januar bis Anfang März oder später im Schnitt zumindest nachts kühler, da hier die kühlen Wassertemperaturen Einfluss auf das Blühverhalten haben. So, das war viel Theorie. Sie stimmt aber gut mit den langjährigen Beobachtungen überein.
Gruß
H.Paulus


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