Ophrys holoserica aus der Sicht des Bestäubers

Geschrieben von Frank am 27. September 2014 13:10:32:

Das Jahr 2014 war in der Doislau in Niederösterreich ein gutes Jahr für die Hummel-Ragwurz.
Von Ende April bis Mitte Juni habe ich etwa hundert verschiedene O.holserica beobachten können. Die Hummel-Ragwurz kommt hier in zwei verschiendenen Brennen (Heißlände)auf 250 Meter Meereshöhe vor, die Standorte haben eine ausgprägte Halbtrockenrasen-flora .
Mich hat die Frage beschäftigt, ob eigentlich der natürliche Bestäuber von Ophrys holoserica, die Langhornbiene Eucera longicornis(manche Quellen geben auch an, dass die nah verwandte Langhornbiene Eucera nigrescens ebenfalls auf O.holoserica fliegt) überhaupt in der Doislau vorkommt und wo man ihn finden kann.
Das es O.holoserica als Täuscherblume es ohnehin schwer hat seinen Bestäuber zu finden, ist hier schon oft beschrieben worden. Tatsächlich haben es auch die beiden genannten Langhornbienen nicht leicht überhaupt an O.holoserica vorbeizukommen, denn bei beiden Arten sind die Weibchen oligolektisch.
Das heißt das sie die Pollen für die Brut nur an bestimmten Blüten gesammelt werden und das ist bei diesen Langhornbienenarten vor allen die Zaun-Wicke (Vicia sepium).
So findet man auch die Männchen dieser Langhornbienen auf der Suche nach Weibchen vor allen bei größeren Zaun-Wickenbeständen. Zaun-Wicken findet man in der Regel aber nicht in den typischen Biotopen der Hummel-Ragwurz. Sie mögen es halbschattig und kommen z.B. in ungepflegten Streuobstwiesen, oder auch in kleinen, lichten Waldbrachen vor. Trotzdem ist O.holoserica durch ihre Bestäuber an die Zaun-Wicke gebunden!
Leider sind auch E. longicornis und E. nigrescens wie die meisten oligolektischen Bienenarten nicht sehr häufig. Sie benötigt neben größeren Zaun-Wickenbeständen für die Brut vegetationfreie, Lehm-, oder ähnlichen Bodenarten.
Aus der Sicht des Bestäubers von O.holoserica sind also großflächige Mager- und Halbtrockenrasen, die von Tierherden wie Schafen beweidet werden nicht der optimale Lebensraum, sondern eher eine eine reich strukturierte Landschaft mit ungepflegten, kleineren Abschnitten, wie wir sie vor hundert Jahren in Mitteleuropa hatten.


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