Einige Anmerkungen zu Coeloglossum viride

Geschrieben von M. Klüber am 01. August 2005 12:41:49:

Liebe Forumsteilnehmer,

nach diversen Beobachtungen dieses Jahres erscheinen mir einige habituell-ökologische Eigenschaften von Coeloglossum viride diskussionswürdig. In diverser Literatur zu dieser Art (zuletzt Wolfgang Heinrich und Volker Kögler, erschienen in Ber. AHO 21 (1) 1-128) wird über die unterschiedliche Erscheinung von Pflanzen berichtet, die im Hügelland und im Gebirge wachsen.

Dennoch erscheinen mir diese Unterschiede bisher noch nicht hinreichend erörtert. Bei meinen diesjährigen Beobachtungen in Osthessen (Bergwinkel ; zentrale Rhön) sowie in den Zentralalpen fiel mir der Dimorphismus sehr deutlich auf. Insbesondere liegen die osthessischen Populationen nicht weit auseinander und zeigen doch sehr deutliche Unterschiede.

"Colline" Coeloglossum viride im Bergwinkel:
Anfang Mai dieses Jahres konnte ich C.v. an einschlägig bekannten Fundorten in der Umgebung von Schlüchtern bereits in Blüte vorfinden. Die Art wächst dort überwiegend auf sehr sonnigen, meist flachgründigen Kalkmagerrasen, in Begleitung beispielsweise von Orchis purpurea, O. militaris, Gymnadenia conopsea, Ophrys insectifera, O. apifera; in Einzelfällen auch mit Himantoglossum hircinum und sogar Ophrys sphegodes, darauf wies Herr Heinrich vom AHO Hessen hin. C.v. blüht etwa zeitgleich mit Orchis mascula, jedoch früher als Orchis militaris. Mit Gymnadenia conopsea überlappt sich die Blütezeit nicht. Die Pflanzen sind im Durchschnitt kräftig (meist über 20 cm) und reichblütig.

"Montane/alpine" Coeloglossum viride in der zentralen Rhön bzw. in den Alpen:
In der zentralen Rhön ist nur noch ein Restvorkommen der ehemals verbreiteten Art bekannt. Herr Heinrich schrieb mir vor anderthalb Wochen, dass C.v. nun dort am Aufblühen sei. Gestern war ich am Standort und fand die wenigen Exemplare in Hochblüte. Der Standort ist eine nordexponierte, wechselfeuchte, sehr humose Bergwiese über Kalk, jedoch u.U. mit Basalt von der oberen Hangkante her überprägt. Parnassia palustris stand schon kurz vor der Blüte, und Gymnadenia conopsea war an diesem Standort bereits vollständig abgeblüht; im benachbarten Wald war Epipactis helleborine in Hochblüte. Die C.v.-Pflanzen dieser Kleinpopulation sind sehr zierlich, schmal und eher armblütig (alle unter 10 cm!) und ähneln habituell sehr stark denen, die ich Mitte Juli in den Zentralalpen auf über 2000 m ü.NN. gefunden habe - dort blühten sie gemeinsam mit Gymnadenia conopsea.

Dass die Pflanzen im Hügelland eher grünblütig und die im Bergland eher rot/braun gefärbt sein sollen, kann ich nicht sagen. Auch unter den collinen Pflanzen sind sehr dunkle gewesen, und in den Alpen findet man auch andere Arten (Dact. mac. s.l.) durchschnittlich dunkler vor als in Tieflagen, von daher erscheint mir diese Unterscheidung nicht signifikant.

Nun meine Fragen an Beobachter aus anderen Gebieten:
Sind die Populationen in anderen Gegenden Deutschlands habituell - ökologisch - phänologisch ebenfalls so deutlich voneinander unterscheidbar? Und gibt es in den Mittelgebirgen (ich denke insbesondere an Eifel, Alb, Schwarzwald, Fränk.Schweiz, Oberpfalz, Thüringen) ähnliche Fälle, wo Vorkommen beider Typen so nah beieinander vorkommen und doch so unterschiedlich sind?

Bitte schauen Sie sich zu diesem Thema auch die Ausführungen und Bilder (insbesondere unterste Bildleiste) auf dieser Seite an:
http://www.orchid-rhoen.de/Arten/Coeloglossum_viride.htm

herzliche Grüße,

M. Klüber



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